20. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Juniper hat 109 Sicherheitskorrekturen für Junos OS und Junos OS Evolved veröffentlicht. Die meisten Schwachstellen setzen bestimmte Funktionen voraus. Die Bewertung legt Update-Prioritäten für typische Betreiberkonfigurationen fest: BGP FlowSpec, eBGP-Sitzungen, J-Web, LLDP und OSPF auf Kundenschnittstellen.

Am 14. Oktober 2026 hat Juniper das Sammelbulletin JSA112187 veröffentlicht. Es umfasst 109 Schwachstellen in Junos OS und Junos OS Evolved mit der Gesamtbewertung „Critical” (CVSS bis 9,8). Betroffen sind alle Versionen vor den korrigierten Releases. Die tatsächliche Gefährdung hängt von der Konfiguration ab: Die meisten Schwachstellen treten nur bei aktiviertem Protokoll, aktivierter Option oder aktiviertem Dienst auf. Die folgende Bewertung gruppiert die Schwachstellen nach Funktion und legt die Update-Priorität für typische Konfigurationen in ISP- und Rechenzentrumsnetzen fest.

Update-Prioritäten

Priorität Funktion oder Konfiguration CVEs / max. CVSS Auswirkung
Hoch BGP FlowSpec (Regeln von einem Erkennungssystem, einem Upstream-Provider oder Kunden) 4 CVEs, 9,8 Absturz von rpd, Kompromittierung der Routing Engine
Hoch J-Web, SNMP mit AAA, service-deployment aus dem Netz erreichbar 5 CVEs, 9,8 Übernahme des Geräts ohne Authentifizierung
Hoch eBGP-Sitzungen mit Kunden, Transit-Providern und an Internet-Knoten 7 CVEs, 7,5 Absturz von rpd durch einen Nachbarn
Hoch LLDP, OSPF, BFD, CFM aktiv auf Kundenschnittstellen 6 CVEs, 8,8 Störung der L2-Steuerungsebene und des Routings
Mittel MC-LAG (ICCP, MAC-Synchronisierung) 6 CVEs, 7,1 Neustart von l2ald, Offenlegung von Speicher
Mittel MPLS: LDP und RSVP auf internen Verbindungen über ein Dutzend CVEs, 8,8 Absturz von rpd, Kompromittierung der Routing Engine
Mittel EVPN, EVPN-VXLAN, SRv6 über ein Dutzend CVEs, 9,8 Absturz von rpd, Codeausführung
Niedrig BGP-LS, Multicast und MVPN, VPLS, ISO-VPN, RIP, GMPLS, SZTP/Phone-Home – keine Auswirkung bei deaktivierter Funktion

Gefährdungslage

  • Juniper SIRT sind keine Ausnutzungen der Schwachstellen aus dem Bulletin bekannt; sie wurden in internen Tests gefunden.
  • Stand 20. Oktober 2026 ist keine der Schwachstellen im CISA-Katalog Known Exploited Vulnerabilities aufgeführt, ein öffentlicher Exploit ist nicht verfügbar.
  • 2023 begannen nach der Veröffentlichung eines Exploits für die J-Web-Schwachstellen (CVE-2023-36844 und weitere) die Angriffsversuche am Tag der Veröffentlichung.

Korrigierte Releases

Die Softwareversion lässt sich mit folgendem Befehl prüfen:

show version | match "Junos:"
Junos-OS-Version (Release-Zug) Korrigiertes Release Junos OS Evolved – korrigiertes Release
22.x und älter Migration auf einen unterstützten Zug, z. B. 23.4R2-S8.13 Migration auf einen unterstützten Zug, z. B. 23.4R2-S8.11-EVO
23.2 23.2R2-S7.7 23.2R2-S7.7-EVO
23.4 23.4R2-S8.13 23.4R2-S8.11-EVO
24.2 24.2R2-S5.5 24.2R2-S5.6-EVO
24.4 24.4R2-S5 24.4R2-S5-EVO
25.2 25.2R2-S2 25.2R2-S2-EVO (25.2X100: D35-EVO)
25.4 25.4R1-S3 oder 25.4R2 25.4R1-S3-EVO oder 25.4R2-EVO (25.4X300: D40-EVO)
26.2 26.2R1-S2 oder 26.2R2 26.2R1-S2-EVO oder 26.2R2-EVO
26.4 26.4R1 (enthält die Korrekturen) 26.4R1-EVO (enthält die Korrekturen)

Zu beachten:

  • Respins. Für die Züge 23.2, 23.4 und 24.2 hat Juniper bereits veröffentlichte Versionen neu herausgegeben. Maßgeblich ist die vollständige Release-Nummer: 23.4R2-S7.4 ist verwundbar, 23.4R2-S8.13 enthält die Korrekturen.
  • Versionen älter als 23.2. Das Bulletin umfasst alle Versionen vor 23.2R2-S7.7, Juniper stellt jedoch keine Korrekturen für Züge nach Supportende bereit. Für 21.x und 22.x ist eine Migration auf einen unterstützten Zug erforderlich.
  • 23.4X100-EVO hat in diesem Bulletin kein korrigiertes Release; ein Zugwechsel ist erforderlich.

BGP FlowSpec

Die Gruppe mit der höchsten Schwere. Sie betrifft Router, die BGP-FlowSpec-Regeln von einem DDoS-Erkennungssystem, einem Upstream-Provider oder von Kunden annehmen.

CVE CVSS Bedingung Auswirkung
CVE-2026-101990 9,8 family inet flow oder inet6 flow in einer beliebigen BGP-Gruppe, Regel zur Weiterverbreitung ausgewählt Absturz von rpd, unter Junos OS mögliche Codeausführung
CVE-2026-102178 9,8 FlowSpec und system processes routing bgp update-threading Kompromittierung der Routing Engine
CVE-2026-101948 7,5 Import-Policy für FlowSpec Absturz von rpd
CVE-2026-33789 9,8 FlowSpec und BMP (routing-options bmp) Denial of Service, mögliche Befehlsausführung als root

Die Ausnutzung setzt einen konfigurierten BGP-Nachbarn voraus, der eine präparierte Regel sendet. Stammen die Regeln ausschließlich aus dem eigenen Erkennungssystem, beschränkt sich das Risiko auf eine Kompromittierung dieses Systems. Die Annahme von FlowSpec von Kunden (Self-Service-Filterung) oder von einem Upstream-Provider ist als kritische Gefährdung einzustufen. Juniper nennt keinen Workaround außer der Deaktivierung von FlowSpec.

Prüfung:

show configuration protocols bgp | display set | match "flow"
show configuration system processes routing | display set | match update-threading
show configuration routing-options bmp

J-Web und Management-Dienste

CVE CVSS Bedingung Auswirkung
CVE-2026-101954 9,8 J-Web aktiviert (system services web-management) Übernahme des Geräts ohne Authentifizierung
CVE-2026-101986 9,8 J-Web aktiviert CGI-Ausführung ohne Authentifizierung
CVE-2026-101983 9,8 J-Web mit virtual-domain Remote-Codeausführung
CVE-2026-101979 8,8 SNMP read-only und AAA (Hierarchie access) Codeausführung als root durch einen Benutzer mit SNMP-Zugriff
CVE-2026-102175 9,8 system services service-deployment Codeausführung als root über eine kompromittierte SDX/SRC-Verbindung

Auf Edge-Routern wird empfohlen, J-Web unabhängig vom Update-Zeitpunkt zu deaktivieren oder auf das Managementnetz (OOB) zu beschränken. Der SNMP-Zugriff sollte durch den lo0-Filter auf Monitoring-Server beschränkt sein.

Prüfung:

show configuration system services | display set | match "web-management|service-deployment"
show configuration snmp | display set | match community
show configuration access | display set

eBGP-Sitzungen

eBGP-Sitzungen mit Kunden und an Internet-Knoten bestehen zu Geräten, die der Betreiber nicht verwaltet. Die folgenden Schwachstellen ermöglichen einem solchen Nachbarn, rpd zum Absturz zu bringen und damit den Verlust des Routings auf dem Gerät zu verursachen.

CVE CVSS Bedingung Angriffsquelle
CVE-2026-101976 7,5 eBGP-Sitzung ohne ausgehandelte 4-Byte-AS-Unterstützung eBGP-Nachbar mit deaktivierter Capability
CVE-2026-101961 7,5 Qualifier nexthop-ecmp in einer Import-Policy eBGP-Nachbar
CVE-2026-101977 7,5 ephemere Konfiguration eBGP-Nachbar
CVE-2026-101939 7,5 Import-Policy mit source-based-forwarding auf eine nicht existierende Tabelle BGP-Nachbar
CVE-2026-102027 7,5 multipath list-nexthop und labeled-unicast eBGP-Nachbar
CVE-2026-101957 7,5 LLGR mit advertise-to-non-llgr-neighbor, mehr als 32 Nachbarn in der Gruppe BGP-Nachbar
CVE-2026-103993 6,8 graceful-shutdown sender BGP-Nachbar

CVE-2026-101976 hat den größten Wirkungsbereich: Einzige Bedingung ist eine eBGP-Sitzung. Praktisch jeder moderne Router handelt die 4-Byte-AS-Unterstützung aus, ein Nachbar kann sie jedoch gezielt deaktivieren. Die Schwachstelle betrifft Geräte mit BGP-Sitzungen zu Kunden, Transit-Providern und Nachbarn an Internet-Knoten.

Prüfung:

show bgp neighbor | match "Peer:|4 byte"

L2-Protokolle und IGP auf Kundenschnittstellen

„Adjacent”-Schwachstellen setzen Zugang zum selben L2-Segment oder eine Protokoll-Nachbarschaft voraus. In Zugangsnetzen erfüllt ein Kunde im Teilnehmer-VLAN diese Bedingung.

CVE CVSS Bedingung Typische gefährdete Konfiguration
CVE-2026-102050 8,8 protocols lldp interface … LLDP auf allen Schnittstellen (interface all), einschließlich Kundenschnittstellen; der Angriff stört die L2-Steuerungsebene des gesamten Geräts, einschließlich LACP
CVE-2026-102051 6,5 LLDP und fast-rx-processing wie oben
CVE-2026-101972 6,5 OSPFv2 auf einer Schnittstelle Kundenschnittstelle in OSPF ohne Option passive
CVE-2026-101971 6,5 OSPFv3 auf einer Broadcast-Schnittstelle wie oben, für IPv6
CVE-2026-102058 6,5 BFD BFD in BGP-Sitzungen mit Kunden
CVE-2026-102056 / -102055 7,1 / 8,8 Ethernet CFM (enhanced CFM auf MX) CFM in L2-Diensten für Kunden

Ein Teil der Gefährdung lässt sich vor dem Update durch Konfiguration verringern:

  • LLDP nur auf Verbindungen zur eigenen Infrastruktur statt interface all;
  • Kundenschnittstellen in OSPF mit der Option passive: Das Subnetz bleibt in der LSDB, der Router verarbeitet aus dieser Richtung keine OSPF-Pakete;
  • BFD mit Kunden nur dort, wo erforderlich.

Prüfung:

show configuration protocols lldp | display set
show ospf interface
show bfd session

MC-LAG

Das Bulletin enthält sechs MC-LAG-Schwachstellen (ICCP und MAC-Synchronisierung): CVE-2026-102035, -102033, -102034, -101994, -101995 und -101996. Angriffsquelle ist ein ICCP-Nachbar, also der zweite Knoten des Paares; dies setzt Zugang zum Netz zwischen den Knoten voraus. Bei ICCP über eine dedizierte Verbindung oder ein eigenes VLAN ist das Risiko gering; ein Update im nächsten Wartungsfenster wird empfohlen.

MPLS

LDP und RSVP umfassen über ein Dutzend Schwachstellen, darunter CVE-2026-101981 (8,8), die einem LDP-Nachbarn die Kompromittierung der Routing Engine ermöglicht. Dies betrifft Netze mit MPLS-Kern. Bei LDP und RSVP ausschließlich auf internen Verbindungen wird ein Update im nächsten Wartungsfenster empfohlen; bei Aktivierung auf Kundenschnittstellen hat das Update hohe Priorität (show ldp interface, show rsvp interface).

EVPN, EVPN-VXLAN und SRv6

Über ein Dutzend Schwachstellen betrifft EVPN, EVPN-VXLAN und SRv6, darunter CVE-2026-101982 (9,8) bei EVPN-VPWS. Relevant für Rechenzentrums-Fabrics und L2VPN-Dienste. EVPN-Nachbarn sind in der Regel eigene Geräte des Betreibers; das Risiko hängt davon ab, ob eine externe Partei eine BGP-EVPN-Sitzung aufbauen kann. Ein Update im nächsten Wartungsfenster wird empfohlen.

Funktionen mit begrenztem Einsatz

Die folgenden Gruppen setzen Funktionen voraus, die am Rand von ISP- und Rechenzentrumsnetzen selten eingesetzt werden. Bei deaktivierter Funktion haben die Schwachstellen keine Auswirkung:

  • BGP-LS und Traffic Engineering: CVE-2026-101991, -102044, -102022, -102020;
  • Multicast und MVPN: PIM, MSDP, Auto-RP, Rosen MVPN, Inter-AS MVPN, Multicast Lawful Intercept;
  • VPLS mit automatischer Site-ID, BGP Prefix-SID in eBGP (accept-prefix-sid), ISO-VPN, extended-nexthop-tunnel, RIB-Sharding, BGP-RIB-Telemetrie;
  • Provisioning: Phone-Home und SZTP über DHCP (vor allem EX, SRX und QFX), DHCPv4 local-client, 802.1X und Unified Access Policy;
  • RIP, IS-IS mit Flex-Algo oder Backup Selection, GMPLS.

Zwei lokale Schwachstellen (CVE-2026-101927 und -101934 in eventd) setzen ein Konto auf dem Gerät voraus und sind relevant, wenn Personen außerhalb des Netzwerkteams Konten erhalten.

Empfehlungen

  • Update auf das korrigierte Release innerhalb des aktuellen Zugs gemäß der obigen Tabelle.
  • Hohe Priorität für Geräte mit BGP FlowSpec, eBGP-Sitzungen mit externen Parteien sowie aus dem Netz erreichbarem J-Web oder SNMP.
  • Unabhängig vom Update: J-Web deaktiviert, SNMP durch den lo0-Filter beschränkt, LLDP auf Infrastrukturverbindungen begrenzt, Kundenschnittstellen in OSPF als passive.

ITORO setzt Filter-Gateways auf Juniper MX mit BGP FlowSpec ein und betreibt sie; die Prüfung umfasste zuerst die von ITORO betriebenen Installationen.

Quelle: Juniper JSA112187, 2026-10 Security Bulletin: Junos OS and Junos OS Evolved sowie die einzelnen CVE-Einträge.